SSV Datteln

„Mister Sportabzeichen“ und Heimatforscher

BREITENSPORT: Offiziell hat Helmut Nottelmann nun zum 40. Mal das Sportabzeichen gemacht. „Eigentlich sind es schon 42“, sagt der 72-Jährige.

Von Peter Koopmann, Datteln

Nur eine Notlösung

Zum Amt des Sportabzeichen-Obmanns kam er wie die Jungfrau zum Kinde: „Ich habe die Verleihungen vorher schon in Vertretung von meinem Vorgänger Jochen Hoffmann gemacht, weil er bei solchen Veranstaltungen immer sehr nervös war. Als Jochen dann schwer krank wurde, habe ich das Amt übernommen – es war nur eine Notlösung.“

Nottelmanns Heimat ist Herford. In Münster studierte er Sport und Mathematik. „Da ich kein Auto hatte, fuhr ich mit dem Zug. Eines Tages habe ich auf der Rückfahrt eine blonde Dame getroffen, die in Gütersloh ausstieg.“ Bei diesem einen Treffen blieb es nicht. Roselore und Helmut verliebten sich. Nach dem Studium stellte sich für das Paar die Frage: Wohin? Einig waren sie sich, dass Münster der richtige Flecken sei, so zogen sie nach Hiltrup. Nach der Referendarzeit erhielt Nottelmann, der seit 1972 mit Roselore verheiratet ist, 1976 eine Stellung am Gymnasium in Datteln. So zog das Paar in die Kanalstadt. 28 Jahre lang unterrichtete der 72-Jährige am Dattelner Gymnasium. Zuletzt als stellvertretender Schulleiter. Dann wechselte er zum Gymnasium in Nottuln. War dort auch stellvertretender Leiter, in seinem letzten Jahr kommissarischer Direktor, ehe er 2012 in den Ruhestand trat. In Nottuln wirkte er aktiv an der Partnerschaft mit der polnischen Stadt Chodziez in der Nähe von Posen mit. „Ich wollte Chodziez gern besuchen. Der Partnerschaftsverein hat mich einmal mitgenommen – aber ich war zu spät da, denn eine Woche vorher hatte der Lauf um den Stadtsee stattgefunden. Den wollte ich im darauffolgenden Jahr auf jeden Fall mitmachen.“

Jedes Jahr konnte Nottelmann dann Schüler dazu bewegen, ihn zu begleiten und in Chodziez mitzulaufen. Neben dem Zehnkampf, den der nun 72-Jährige früher betrieb, spielte er auch leidenschaftlich gern Handball. Das tat er in Hiltrup, das tat er später in Datteln beim TV 09.

„Mir blutet das Herz, wenn ich sehe, was aus dem Handball in Datteln geworden ist“, sagt er heute, „am Gymnasium wurde Hockey, Handball und Mädchenfußball gespielt“, erzählt Nottelmann und verrät: „Dunja Hayali war die beste Fußballerin.“

In seiner Zeit als Sportabzeichen-Obmann war Roselore immer an Nottelmanns Seite. „Wenn sie nicht die Schreibarbeit übernommen hätte, hätte ich es nie gekonnt“, sagt er.

Neuntes Buch geplant

Doch auch als Buchautor hat sich Nottelmann hervorgetan. Acht Werke sind mittlerweile erschienen, das neunte ist in der Mache. Alle befassen sich mit der Dattelner Sportgeschichte. Sein letztes, „Zwischen Hakenkreuz und Turnerfahne“ beschäftigt sich mit der Rolle, die der TV Datteln in den Jahren 1933 bis 1945 spielte. „Den Anstoß dazu hat der jetzige TV-Vorsitzende Roland Köster gegeben“, sagt Nottelmann, „der wissen wollte, was mit den Juden geschehen ist, die im Verein waren.“ Nottelmann forschte. Es waren 1933 nur zwei. So weitete er seine Recherchen aus.

Seiten herausgerissen

Er war Dauergast im Archiv dieser Zeitung, noch spannender aber findet er Protokollbücher und alte Mitgliederverzeichnisse, die er gleich aus seinem Regal im heimischen Arbeitszimmer holt und aufschlägt: „Bis 1933 sind die Protokollbücher lückenlos. Dann hörte es schlagartig auf, als der erste Vereinspräsident starb. Der zweite Präsident hat sie sporadisch bis Kriegsende weitergeführt. Es ging dann weiter bis Mitte der 50er-Jahre. Noch interessanter sind aber die Mitgliederverzeichnisse: Bis 1932 sind sie komplett. Die Seiten von 1933 bis 1938 sind komplett herausgerissen. Dann gibt es sie in Ansätzen wieder. Diese Bücher sind ein Schatz.“

Da wäre noch eine Frage zu klären: 40 oder 42 Sportabzeichen? „42“, antwortet Nottelmann, „das erste habe ich 1969 bei der Bundeswehr gemacht. Für mich als Leichtathlet war es keine Anforderung – aber es hat einen Tag Urlaub dafür gegeben. Beim Sportstudium musste man es jedes Jahr machen. So hatte ich vier auf dem Konto, als ich nach Datteln kam. 1980 habe ich hier mein erstes gemacht. Jochen Hoffman sagte ich, dass ich schon vier habe, er wollte aber nur zwei anerkennen. So sind insgesamt 40 daraus geworden.“

Copyright 07.02.2019 MedienhausBauer